Ursula Krechel: Landgericht

Richard Kornitzer ist von Beruf Richter. Er lebt in Berlin, in der Nähe des Kurfürstendamms, und ist verheiratet mit der Werbefachfrau Claire. Sie haben zwei Kinder. 1933 verliert Kornitzer, weil jüdischer Herkunft, sein Amt. Als sich die Lebensumstände bedrohlich verschlechtern, werden die Kinder nach England geschickt und Kornitzer emigriert er nach Kuba. In der Nachkriegszeit kämpft er verbissen um seine Rehabilitierung und um Wiedergutmachung, mit wenig Erfolg. Auch die Familie findet nicht mehr zusammen. Ursula Krechels Roman wurde 2012 mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

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Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo

Die junge, übermütige Jüdin Rahel dringt eines Tages in die königlichen Gärten in Toledo ein und überrascht dort das spanische Königspaar. Während die Königin von Rahels Zudringlichkeit angewidert ist, fasziniert den König die Leidenschaftlichkeit des fremden Mädchens. Mit der Zeit verfällt er mehr und mehr dem Charme der Jüdin. Die Königin sieht sich gezwungen,  mit Unterstützung des Hofstaates, Rahel zu beseitigen und damit den König zur Vernunft zu bringen.

Franz Grillparzer (1791-1872) benutzt in seiner Version der „Jüdin von Toledo“ sein Vorbild Lope de Vega, obwohl ein anderes historisches Ereignis möglicherweise stärkeren Einfluss auf den Inhalt des Dramas genommen hat. Nämlich die Affäre des bayrischen Königs Ludwig I. mit der Tänzerin Lola Montez um das Jahr 1847, das eine Revolte der Bevölkerung hervorrief.

In seinem historischen Roman „Die Jüdin von Toledo“, in Deutschland unter dem Titel „Spanische Ballade“ veröffentlicht, beschreibt Lion Feuchtwanger (1884-1958) das Schicksal des jüdischen Kaufmannes Jehuda Ibn Esra und seiner schönen Tochter Raquel im Spanien  des 12. Jahrhunderts: König Alfonso VIII. von Kastilien bekriegt die Mauren, die damals noch weite Teile der Iberischen Halbinsel beherrschen: Zwei deutschsprachige Schriftsteller beschreiben dasselbe Thema in verschiedenen Jahrhunderten.

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Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein

Er hat den kleinen Leuten ein Denkmal gesetzt, hat ihr gefährdetes Leben und ihre Machtlosigkeit angesichts der politischen und gesellschaftlichen Bedrohungen beschrieben. In seinem 1947 erschienenen letzten Roman, der auf einer historisch verbürgten Begebenheit beruht, erzählt Hans Fallada die „Heldengeschichte“ eines Berliner Ehepaars in der Zeit des Nationalsozialismus.
Als der einzige Sohn der Eheleute Quangel den „Heldentod“ stirbt, treiben Trauer und Wut sie in den Widerstand gegen die NS-Herrschaft. Sie legen Karten mit kritischen Bemerkungen über das Regime an verschiedenen Stellen Berlins ab. Lange bleiben sie unentdeckt, doch schließlich werden sie gefasst und hingerichtet.

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Thomas Hürlimann: Fräulein Stark

Ein Tempel des Geistes und der Kunst ist die weltberühmte Schweizer Klosterbibliothek, ihr Leiter ein höchst kultivierter Prälat. Seine Appenzeller Haushälterin hingegen ist entschieden bildungsfern, sie heißt Stark und trägt Hosen. Zu diesem gegensätzlichen Duo gesellt sich der 12-jährige Neffe des geistlichen Herrn, der den Sommer über den Besucherinnen der „Bücherarche“ die obligaten Filzpantoffel über die Füßchen streifen soll.
Die Erzählung ist eine hinreißend formulierte Pubertätsgeschichte, eine Familiensaga, ein Stück kritische Zeithistorie, ein Lehrstück über die Wirkung von Stereotypen. Reich-Ranicki hatüber sie die Antisemitismus-Keule geschwungen. Ist Hürlimann ein Rassist, oder war der Literaturpapst fehlbar?

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Sibylle Lewitscharoff: Consummatus und Blumenberg

Ein Mann geht zum Frühstück in ein Café und beginnt ein langes Zwiegespräch mit Stimmen aus dem Jenseits, ein Philosoph sitzt des Nachts in seinem Studierzimmer und erhält Besuch von einem Löwen – das sind die Ausgangssituationen zweier Romane einer vielgeehrten Autorin aus Stuttgart: Sibylle Lewitscharoff.

Beide Romane sind reich an Anspielungen und Merkwürdigkeiten, dazu von beeindruckender sprachlicher Virtuosität. Sie malen ein etwas anderes, durchaus originelles Bild unserer Wirklichkeit und beschäftigen sich mit Grundfragen des Lebens.

Hier das Begleitmaterial zu Blumenberg (Häcker) und das Begleitmaterial zu Consummatus (Dr. Vogt) zum Herunterladen als PDF.

John Lanchester: Kapital

Der Beginn des dritten Jahrtausends ist geprägt von Krisen. Wörter wie „Finanzkrise“, „Wirtschaftskrise“, „Bankenkrise“ haben die Nachrichten erobert. Auch in der Literatur hinterlässt das Thema seine Spuren. 2012 erschien in England ein Roman, der in den Jahren 2007/2008 spielt. Sein Titel erinnert an Karl Marx: Kapital.
Der Autor, John Lanchester, kommt aus einer Familie mit Banker-Erfahrung. Er erzählt von Menschen, die in der „angesagten“ Londoner Pepys Road wohnen. Ihre Schicksale sind auf vielfache Weise miteinander verflochten. Neben einfachen Leuten leben wohlhabende, neben Alteingesessenen Zugezogene, neben Einheimischen Migranten. Das alltägliche Leben gerät aus den Fugen, als Drohungen ins Haus flattern, die Finanzkrise eskaliert und die Angst vor einem terroristischen Anschlag wächst.

Begleitmaterial 1 enthält Informationen zu John Lanchester, zur Pepys Road, wo sein Roman „Kapital“ spielt und zur Gliederung des Romans. Dazu kommen Auszüge aus dem Sachbuch „Warum jeder jedem etwas schuldet und keiner jemals etwas zurückzahlt. Die bizarre Geschichte der Finanzen“, das Lanchester zeitgleich zum Roman „Kapital“ verfasst hat. Begleitmaterial 2 ist eine Übersicht über die 107 Kapitel des Romans „Kapital“ und die verschiedenen Handlungsstränge.