Juli Zeh: Unterleuten (Roman, 2016)

Das Dorf Unterleuten ist zwar fiktiv, aber es liegt dennoch im Brandenburgischen. Auf den ersten Blick wirkt es beschaulich. Es ist arm an landschaftlichen Reizen, jedoch reich an Menschen mit interessanten Lebensgeschichten. Großstädter wollen gerne in diesem Provinznest wohnen. Wenn sie allerdings meinen, sich dort ihren Traum vom schönen Leben fernab der Metropole Berlin erfüllen zu können, so irren sie sich. Die Alteingesessenen pflegen ihre Konflikte aus der Zeit vor und nach der „Wende“ und die Neubürger bringen ihre Probleme mit.

Literaturklub 18. Juni 2018

Der Streit im Dorf eskaliert, als man die Gegend zum idealen Standort für den Bau von Windrädern erklärt. Manche würden durch sie zu Wohlstand kommen, andere hätten beträchtliche Nachteile. Neid und Missgunst greifen um sich. Alte Rechnungen werden beglichen. Es geht in dieser kleinen Welt zu wie in der großen – Unterleuten als kleines Abbild der Bundesrepublik.

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Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle (Roman, 2001)

Ein Roman? Nein, es sind zwei, ineinandergeschnitten: die Geschichte des Rabbi Manasseh, der im 17. Jahrhundert der Inquisition entkommt, aber im toleranten Holland nicht die erhoffte Freiheit findet, und die Story des Wiener Zeitgenossen Viktor, der zwischen Studentenrevolte und alltäglichem Faschismus seine Identität sucht. Was die beiden Erzählungen miteinander zu tun haben, darf der Leser sich klarmachen.
Menasse, „österreichischer Vorzeigeintellektueller“ ist mit diesem Werk als Erzähler bekannt geworden; 2017 hat er für seinen EU-Roman „Die Hauptstadt“ den Deutschen Buchpreis erhalten.

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Lesung und Gespräch mit Martin von Arndt: Tage der Nemesis (Roman, 2014)

25 Jahre Literaturklub Sindelfingen

Lesung und Gespräch: Martin von Arndt
Tage der Nemesis

Das Armenien-Problem der Türkei war einst auch ein Problem des Deutschen Reiches. In den 1920er Jahren gab es auf deutschem Boden terroristische Attacken gegen die Verantwortlichen des Massakers von 1915. Davon erzählt dieses Buch: Als Kommissar Eckert die Anschläge aufklären will, gerät er in ein europaweites Netz politischer Abhängigkeiten, in die auch „die Deutschen“ verwickelt sind. Von den Vergeltungsakten einer armenischen Untergrundorganisation handelt der spannende Thriller, den der in Ludwigsburg geborene Martin von Arndt 2014 vorgelegt hat.

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Uwe Timm: Vogelweide (Roman, 2013)

Warum ergreift der Geschäftsmann Christian Eschenbach die Chance, sich auf der menschenleeren Nordseeinsel Scharhörn als Vogelwart zu verdingen? Liegt es an seinem Scheitern als Chef einer IT-Firma oder am Zerbrechen seiner Beziehung zu Anna, der Frau des Architekten und Freundes Ewald, oder ist es der Überdruss an seinem bisherigen Leben?
Das Werk des Schriftstellers Uwe Timm (geb. 1940) ist umfangreich. Bekannt wurde er durch „Die Entdeckung der Curry-Wurst“ und das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“. Am Beispiel seines Bruders geht er der Frage nach, was einen Menschen dazu bringen konnte, sich freiwillig der Waffen-SS anzuschließen. In „Der Freund und der Fremde“ zeichnet er ein Bild seines Mitschülers Benno Ohnesorg. Der Roman „Vogelweide“ ist 2013 erschienen.

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Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Roman, 2015)

Der Mann ist heute ein erfolgreicher Schauspieler in Wien und Hamburg. Doch sein Erfolg hat eine bewegte Vorgeschichte mit Schicksalsschlägen, heftigen Selbstzweifeln und grandiosen Misserfolgen. Aber er hat die Gabe, auch von den schwierigen Phasen seines Lebens heiteren Sinnes zu erzählen. In diesem 2015 erschienenen dritten Band seiner romanhaften Autobiografie „Alle Toten fliegen hoch“ erzählt der Schauspieler Joachim Meyerhoff mit dem ihm eigenen Humor und viel Selbstironie von seiner Ausbildung an der Schauspielschule in München und den skurrilen Großeltern, bei denen er in dieser Zeit gewohnt hat.

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Sandra Hoffmann: Paula (Roman, 2017)

Ob Paula eine glückliche Frau war, ehe ihr Bräutigam im Krieg starb? Jedenfalls beginnt sie irgendwann aus Angst und Scham zu schweigen. Nie gibt sie preis, von welchem Mann das Kind stammt, das sie alleine großzieht. Aber dann wird der Schutzraum des Schweigens allmählich zum Gefängnis, in dem Liebe und Empathie verkümmern. Ihre Tochter und ihre Enkelin werden nie erfahren, wer ihr Vater, wer ihr Großvater war.

Sandra Hoffmann im Chorherrenhaus
Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

Die Enkelin ist die Ich-Erzählerin dieser Geschichte. Sie leidet unter dem Schweigen der Vorfahren. Wir dürfen in ihr die Autorin sehen, die sich schreibend von diesem Schweige-Druck befreien will. Aus Anlass der Literaturtage Böblingen Sindelfingen kam Sandra Hoffmann in den Sindelfinger Literaturklub und stellte ihren neuen Roman „Paula“ selbst vor.

Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

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Adriana Altaras: Titos Brille (Lebensbeschreibung, 2001)

In Familienerzählungen spiegelt sich die Geschichte. Das gilt vor allem dann, wenn sie die Menschen zu Opfern werden lässt. Das Buch, mit dem wir uns beschäftigen, trägt den Untertitel: „Die Geschichte meiner strapaziösen Familie.“ Die Autorin ist in Zagreb geboren. Ihre Eltern waren in den jugoslawischen Bürgerkrieg verwickelt, lösten sich aber vom Kommunismus und kamen nach einer umständlichen Flucht Ende der 1960er Jahre in Deutschland an. Sie selbst setzt sich mit ihrem Judentum kritisch auseinander. Mit welchen Problemen sich ihre Familie im „geläuterten“ Deutschland herumzuschlagen hat, wie die Vergangenheit bei den Kindern der Opfer und der Täter immer noch nachwirkt und was es mit Titos Brille auf sich hat, das erzählt die Autorin lebendig, engagiert und freimütig.

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