Lesung und Gespräch mit Martin von Arndt: Tage der Nemesis (Roman, 2014)

25 Jahre Literaturklub Sindelfingen

Lesung und Gespräch: Martin von Arndt
Tage der Nemesis

Das Armenien-Problem der Türkei war einst auch ein Problem des Deutschen Reiches. In den 1920er Jahren gab es auf deutschem Boden terroristische Attacken gegen die Verantwortlichen des Massakers von 1915. Davon erzählt dieses Buch: Als Kommissar Eckert die Anschläge aufklären will, gerät er in ein europaweites Netz politischer Abhängigkeiten, in die auch „die Deutschen“ verwickelt sind. Von den Vergeltungsakten einer armenischen Untergrundorganisation handelt der spannende Thriller, den der in Ludwigsburg geborene Martin von Arndt 2014 vorgelegt hat.

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Uwe Timm: Vogelweide (Roman, 2013)

Warum ergreift der Geschäftsmann Christian Eschenbach die Chance, sich auf der menschenleeren Nordseeinsel Scharhörn als Vogelwart zu verdingen? Liegt es an seinem Scheitern als Chef einer IT-Firma oder am Zerbrechen seiner Beziehung zu Anna, der Frau des Architekten und Freundes Ewald, oder ist es der Überdruss an seinem bisherigen Leben?
Das Werk des Schriftstellers Uwe Timm (geb. 1940) ist umfangreich. Bekannt wurde er durch „Die Entdeckung der Curry-Wurst“ und das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“. Am Beispiel seines Bruders geht er der Frage nach, was einen Menschen dazu bringen konnte, sich freiwillig der Waffen-SS anzuschließen. In „Der Freund und der Fremde“ zeichnet er ein Bild seines Mitschülers Benno Ohnesorg. Der Roman „Vogelweide“ ist 2013 erschienen.

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Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Roman, 2015)

Der Mann ist heute ein erfolgreicher Schauspieler in Wien und Hamburg. Doch sein Erfolg hat eine bewegte Vorgeschichte mit Schicksalsschlägen, heftigen Selbstzweifeln und grandiosen Misserfolgen. Aber er hat die Gabe, auch von den schwierigen Phasen seines Lebens heiteren Sinnes zu erzählen. In diesem 2015 erschienenen dritten Band seiner romanhaften Autobiografie „Alle Toten fliegen hoch“ erzählt der Schauspieler Joachim Meyerhoff mit dem ihm eigenen Humor und viel Selbstironie von seiner Ausbildung an der Schauspielschule in München und den skurrilen Großeltern, bei denen er in dieser Zeit gewohnt hat.

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Sandra Hoffmann: Paula (Roman, 2017)

Ob Paula eine glückliche Frau war, ehe ihr Bräutigam im Krieg starb? Jedenfalls beginnt sie irgendwann aus Angst und Scham zu schweigen. Nie gibt sie preis, von welchem Mann das Kind stammt, das sie alleine großzieht. Aber dann wird der Schutzraum des Schweigens allmählich zum Gefängnis, in dem Liebe und Empathie verkümmern. Ihre Tochter und ihre Enkelin werden nie erfahren, wer ihr Vater, wer ihr Großvater war.

Sandra Hoffmann im Chorherrenhaus
Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

Die Enkelin ist die Ich-Erzählerin dieser Geschichte. Sie leidet unter dem Schweigen der Vorfahren. Wir dürfen in ihr die Autorin sehen, die sich schreibend von diesem Schweige-Druck befreien will. Aus Anlass der Literaturtage Böblingen Sindelfingen kam Sandra Hoffmann in den Sindelfinger Literaturklub und stellte ihren neuen Roman „Paula“ selbst vor.

Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

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Adriana Altaras: Titos Brille (Lebensbeschreibung, 2001)

In Familienerzählungen spiegelt sich die Geschichte. Das gilt vor allem dann, wenn sie die Menschen zu Opfern werden lässt. Das Buch, mit dem wir uns beschäftigen, trägt den Untertitel: „Die Geschichte meiner strapaziösen Familie.“ Die Autorin ist in Zagreb geboren. Ihre Eltern waren in den jugoslawischen Bürgerkrieg verwickelt, lösten sich aber vom Kommunismus und kamen nach einer umständlichen Flucht Ende der 1960er Jahre in Deutschland an. Sie selbst setzt sich mit ihrem Judentum kritisch auseinander. Mit welchen Problemen sich ihre Familie im „geläuterten“ Deutschland herumzuschlagen hat, wie die Vergangenheit bei den Kindern der Opfer und der Täter immer noch nachwirkt und was es mit Titos Brille auf sich hat, das erzählt die Autorin lebendig, engagiert und freimütig.

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Wolfgang Schorlau: Am zwölften Tag (Roman, 2013)

In diesem siebten Fall mit dem privaten Stuttgarter Ermittler Dengler geht es, eingebettet in eine recht dramatische Handlung, um die vom Autor gründlich recherchierten Machenschaften der Nahrungsmittelindustrie, vor allem den Bereich der Intensivtierhaltung und deren Folgen. Auch die Beschäftigung von Lohnsklaven aus Osteuropa wird thematisiert.

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Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen (Roman, 2015)

Der Literaturwissenschaftler Richard versteht mit schriftlichen und mündlichen Äußerungen umzugehen. Er merkt, welcher Geist sich hinter öffentlichen Verlautbarungen verbirgt und kann Lebensgeschichten deuten, auch als Ruheständler, der er seit Kurzem ist. Beim Gang durch die Stadt fällt sein Auge auf ein Flüchtlingscamp am Berliner Oranienplatz. Bald darauf wird es geräumt. Richard schaut genauer hin. Was er sieht, was er allmählich begreift, vermittelt der Roman von Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen.

Die Menschen vom Oranienplatz sind aus Afrika Geflohene, Jahre vor dem Flüchtlingssommer 2015. An ihren exemplarischen Geschichten wird deutlich, welcher Zusammenhang zwischen „den Fremden“ und uns, der deutschen Gesellschaft, besteht.

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