Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden (Erinnerungen, 2021)

Der Theater- und Filmschauspieler Edgar Selge hat mit 73 Jahren sein erstes Buch geschrieben, einen Band mit Erinnerungen an seine Jugend in den 1950er Jahren. Die Familie, in der er mit mehreren Brüdern aufwächst, ist äußerst gebildet und hoch-musikalisch. Die Regeln sind streng und die Erwartungen hoch. Der heranwachsende Junge tut sich schwer und Konflikte, vor allem mit dem Vater, sind unvermeidlich. Hinzu kommt der Graben zwischen den Generationen: zwischen den Eltern, die noch von der Nazizeit geprägt sind, und den Kindern, die ihnen genau das vorwerfen.

Montag, 19. Dezember 2022 um 19:00 Uhr
Seniorenwohnanlage „Bärle-Eck“ im 1. OG, Leonberger Str. 1 in Sindelfingen
Eingang links neben der ehemaligen Sparkassen-Filiale

Referentin: Brigitte Dobler-Coyle

Damon Galgut: Das Versprechen (Roman, 2021)

„Jede Oberfläche in diesem Haus besteht aus irgendeinem teuren Material, Stahl oder Marmor oder Glas, und wenn hier und da ein Stückchen Holz zu sehen ist, wurde es gewaltsam glattgeschliffen und lackiert, und Astrid findet das toll; wenn es nach ihr ginge, bestünde die ganze Welt aus feinen, künstlich geformten Oberflächen wie diesen. Da merkt man, wie roh und unbehauen zu Hause alles ist, überall scharfe Kanten und Ecken. Authentisch, wie Pa es nennen würde, aber wer braucht die raue Wirklichkeit?“

Astrid, Anton und Amor – so heißen die Kinder von Ma und Pa, dem weißen Ehepaar mit Nachnamen Swart, aus deren Sicht wir in vier Kapiteln vier Beerdigungen verfolgen, die nicht nur den Verfall ihrer Farmerfamilie außerhalb Pretorias verdeutlichen, sondern auch den gesellschaftspolitischen Umbruch Südafrikas zwischen 1986 und 2018. Während dieser Zeit wird der schwarzen Frau, die ihr Leben lang für die weiße Familie arbeitet, ein eigenes Haus auf eigenem Land versprochen.

Aber nicht nur dieses Versprechen bleibt letztlich unerfüllt.