Damon Galgut: Das Versprechen (Roman, 2021)

„Jede Oberfläche in diesem Haus besteht aus irgendeinem teuren Material, Stahl oder Marmor oder Glas, und wenn hier und da ein Stückchen Holz zu sehen ist, wurde es gewaltsam glattgeschliffen und lackiert, und Astrid findet das toll; wenn es nach ihr ginge, bestünde die ganze Welt aus feinen, künstlich geformten Oberflächen wie diesen. Da merkt man, wie roh und unbehauen zu Hause alles ist, überall scharfe Kanten und Ecken. Authentisch, wie Pa es nennen würde, aber wer braucht die raue Wirklichkeit?“

Astrid, Anton und Amor – so heißen die Kinder von Ma und Pa, dem weißen Ehepaar mit Nachnamen Swart, aus deren Sicht wir in vier Kapiteln vier Beerdigungen verfolgen, die nicht nur den Verfall ihrer Farmerfamilie außerhalb Pretorias verdeutlichen, sondern auch den gesellschaftspolitischen Umbruch Südafrikas zwischen 1986 und 2018. Während dieser Zeit wird der schwarzen Frau, die ihr Leben lang für die weiße Familie arbeitet, ein eigenes Haus auf eigenem Land versprochen.

Aber nicht nur dieses Versprechen bleibt letztlich unerfüllt.

Autorinnenlesung: Eva Christina Zeller: Unterm Teppich (Roman, 2022)

Eva Christina Zeller, geboren 1960 in Ulm, aufgewachsen in Stuttgart, ist bisher vor allem als Lyrikerin hervorgetreten und für ihre seit 1981 veröffentlichten Gedichtbände vielfach ausgezeichnet worden. Jetzt hat sie zum ersten Mal ein längeres Prosawerk geschrieben, eigentlich eine Reihe von kurzen Texten, die jeweils für sich stehen können, aber zusammen etwas wie die Lebensgeschichte eines weiblichen Ich ergeben, vom Embryo bis zur sechzigjährigen Frau. Die Verfasserin nennt das Werk „Roman in 61 Bildern“.

Eva Christina Zeller (http://eva-christina-zeller.de)

Offensichtlich haben diese „Bilder“ mit der Biographie der Autorin zu tun, ohne jedoch eine getreue Lebensbeschreibung zu bieten. Sie führen aus dem württembergischen Pfarrhaus der Kindheit weit fort, zum einen räumlich in entlegene Weltgegenden, zum anderen in sehr abweichende Milieus. Dabei bringen sie auch Dinge zur Sprache, die sonst als peinlich oder schambesetzt empfunden werden (angefangen mit dem Kleinkind, das vor aller Augen auf dem Töpfchen sitzen muss); vieles, was man gewöhnlich „unter den Teppich kehrt“, wird unbekümmert „hervorgekehrt“. Die „Bilder“ zeigen sich realistisch oder phantastisch bis zum Märchenhaften, empfindsam oder ironisch-satirisch, aber immer poetisch – die Lyrikerin verleugnet sich nicht. Denis Scheck ist begeistert: „Das ist so gut verdichtete Prosa, dass man nach den 61 Episoden das Gefühl hat, einen großen Lebensroman gelesen zu haben.“

Als Erinnerung an den Abend kann man hier die Begrüßung von Dr. Gerhard Vogt herunterladen: