George Orwell: 1984 (Roman, 1949)

Diese Vision eines totalitären Überwachungsstaats spielt in London. Die Stadt macht einen verwahrlosten Eindruck, die Lebensbedingungen seiner Bewohner sind katastrophal. Die Partei des Großen Bruders hat alles, auch die Privatsphäre, voll im Griff. Sie legt fest, was Wahrheit ist, sie manipuliert die Geschichte, sie hält das Volk mit ständigem Krieg an der Kandare. Trotzdem wagt es Winston Smith, sich dem Regime zu widersetzen. Das ist gefährlich, denn die Machthaber unterdrücken jede Form des Widerstands.

Der Roman ist 1949 erschienen. Viele meinen, er habe in unserem „postfaktischen Zeitalter“ neue Aktualität erhalten. Die darin beschriebenen Methoden der Unterdrückung des freien Denkens durch Manipulation der Sprache kommen uns Heutigen recht modern vor.

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Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Der Gattopardo (Roman, 1954)

In den Kämpfen um die Einigung Italiens im 19. Jahrhundert sucht der sizilianische Fürst von Salina einen Weg zwischen Offenheit für die neue Gesellschaftsordnung und skeptischer Distanzierung. Am Ende muss er erkennen: Mit ihm, dem stolzen „Gattopardo“, stirbt das Haus Salina.
Der hochadlige Autor Tomasi di Lampedusa, dessen Urgroßvater das Vorbild für Salina war, hat den Welterfolg seines einzigen Romans und die grandiose Verfilmung durch Visconti nicht mehr erlebt.

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Adriana Altaras: Titos Brille (Lebensbeschreibung, 2001)

In Familienerzählungen spiegelt sich die Geschichte. Das gilt vor allem dann, wenn sie die Menschen zu Opfern werden lässt. Das Buch, mit dem wir uns beschäftigen, trägt den Untertitel: „Die Geschichte meiner strapaziösen Familie.“ Die Autorin ist in Zagreb geboren. Ihre Eltern waren in den jugoslawischen Bürgerkrieg verwickelt, lösten sich aber vom Kommunismus und kamen nach einer umständlichen Flucht Ende der 1960er Jahre in Deutschland an. Sie selbst setzt sich mit ihrem Judentum kritisch auseinander. Mit welchen Problemen sich ihre Familie im „geläuterten“ Deutschland herumzuschlagen hat, wie die Vergangenheit bei den Kindern der Opfer und der Täter immer noch nachwirkt und was es mit Titos Brille auf sich hat, das erzählt die Autorin lebendig, engagiert und freimütig.

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Arnold Stadler: Mein Hund, meine Sau, mein Leben (Roman, 1994)

Der Unfalltod des Hundes und das Abschlachten des Lieblingsferkels stehen am Anfang einer langen Reihe von Verlusten, die für den Erzähler das Leben ausmachen. Seine tieftraurige und zugleich groteske Lebensbahn führt den Bauernsohn vom heimatlichen Schwackenreute nach Rom in den Vatikan und wieder zurück. Wir erleben ihn am Anfang als bedrohten Embryo und am Schluss als offiziell Verstorbenen. Der Philosoph Heidegger spielt ebenso eine Rolle (als Lachnummer) wie Elisabeth II. (als Hassobjekt). In dem Roman des Büchner-Preisträgers von 1999 ist „alles zum Lachen, nichts zum Lachen“.

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Wolfgang Schorlau: Am zwölften Tag (Roman, 2013)

In diesem siebten Fall mit dem privaten Stuttgarter Ermittler Dengler geht es, eingebettet in eine recht dramatische Handlung, um die vom Autor gründlich recherchierten Machenschaften der Nahrungsmittelindustrie, vor allem den Bereich der Intensivtierhaltung und deren Folgen. Auch die Beschäftigung von Lohnsklaven aus Osteuropa wird thematisiert.

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John Salinger: Der Fänger im Roggen (Roman, 1951)

Der 16jährige Holden Caulfield fliegt zum wiederholten Mal aus einem feinen Internat und treibt sich, bevor er sich nach Hause traut, ein paar Tage lang in New York herum. Hier wie dort trifft er auf eine Welt, die ihm „unecht“ erscheint und ihn abstößt. Ihm bleiben nur Erinnerungen, unrealistische Visionen wie die vom titelgebenden Kinder-Beschützer im Roggenfeld – und am Ende das Sanatorium.

Der Roman gehört zu den größten Erfolgen seiner Zeit – ein „Kultbuch“, nach dem ein ganzes Jahrzehnt „Ära Salinger“ genannt wurde. Heute gibt es junge Blogger, die das Werk für hoffnungslos gestrig halten, aber auch Feuilletonisten, die ihre bleibende Fasziniertheit bekunden. Wer den Roman heute (erneut) liest, wird sich u.a. die Frage stellen, wie gerade dieses Werk zu einem Lieblingsbuch der sich auflehnenden US-Jugend werden konnte.

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Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen (Roman, 2015)

Der Literaturwissenschaftler Richard versteht mit schriftlichen und mündlichen Äußerungen umzugehen. Er merkt, welcher Geist sich hinter öffentlichen Verlautbarungen verbirgt und kann Lebensgeschichten deuten, auch als Ruheständler, der er seit Kurzem ist. Beim Gang durch die Stadt fällt sein Auge auf ein Flüchtlingscamp am Berliner Oranienplatz. Bald darauf wird es geräumt. Richard schaut genauer hin. Was er sieht, was er allmählich begreift, vermittelt der Roman von Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen.

Die Menschen vom Oranienplatz sind aus Afrika Geflohene, Jahre vor dem Flüchtlingssommer 2015. An ihren exemplarischen Geschichten wird deutlich, welcher Zusammenhang zwischen „den Fremden“ und uns, der deutschen Gesellschaft, besteht.

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