Terézia Mora: Der einzige Mann auf dem Kontinent (Roman, 2009)

Darius ist ein typischer „Businesskasper“ mit silbernem Laptop-Koffer in der Hand und Handy am Ohr, ein Ossi, der mit der Wende eine neue Existenzweise gewonnen hat, wohlgenährter Genussmensch („essen, trinken, Internet“), vermeintliches Glückskind in der unsicheren Welt der internationalen IT-Branche.
Floras Enthusiasmus gilt eigentlich der Literatur, die sie nicht zum Beruf machen kann, und der Natur, die sie in der Großstadt vermisst; die Brutalität der von Männern dominierten Arbeitswelt und die Rohheit, die sie in ihrer Umgebung wahrnimmt, machen ihr das Leben schwer.
An dem gegensätzlichen Paar möchte Terézia Mora zeigen, „wie wir sind, wie wir leben.“ Die aus Ungarn stammende Autorin ist dieses Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet worden.

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Peter Härtling: Eine Frau (Roman, 1974)

Katharina kommt 1902 als jüngstes Kind des Fabrikanten Georg Wüllner und seiner jüdischen Ehefrau Susanne in Dresden zur Welt. Sie wächst in einer Villa mit großem Garten auf. Die junge Frau schwankt zwischen Anpassung und Aufmüpfigkeit. Sie heiratet den Fabrikanten Perchtmann, zieht ins mährische Brünn und bekommt vier Kinder. Dem nationalen und antisemitischen Denken ihres Mannes steht sie kritisch gegenüber und sucht lieber den Kontakt zu den Arbeitern. Der Zweite Weltkrieg zerstört die Firma, die Familie, die Heimat, das Vermögen. Katharina flieht mit der Mutter, der jüngsten Tochter und der alten Kinderfrau nach Deutschland.
In Stuttgart, wo Katharinas Flucht schließlich endet, fängt sie als Packerin an, geht eine neue Beziehung ein und bereitet den Kindern ob ihrer Eigenwilligkeit ziemlichen Ärger. Sie ist mal Bürgerliche, mal linke Aktivistin. Aber nirgendwo gehört sie „richtig“ dazu.

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Philip Roth: Der menschliche Makel (Roman, 2000)

Coleman Silk ist ein hochverdienter Professor der Altphilologie an einer amerikanischen Provinzuniversität. Wegen zweifelhaften Rassismus-Vorwürfen gerät er in heftigen Streit mit den Kollegen der jüngeren Generation und verlässt brüsk seinen Posten. Dem Eklat folgt ein Skandal: Silk beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einer halb so alten Putzfrau, die nicht lesen und schreiben kann. Wenig später kommt er unter ungeklärten Umständen ums Leben – der Schriftsteller Zuckerman, der uns die Ereignisse präsentiert, glaubt an Mord. Nach der Beerdigung aber erfährt er Dinge über Silks Herkunft und Leben, die noch weit ungewöhnlicher sind als die letzte Lebensphase.

Philip Roth, der nach seinem Tod im Mai diesen Jahres als einer der größten Romanciers der Gegenwart gewürdigt wurde, reflektiert in diesem Werk über Themen, die ihn in seinem ganzen Schriftstellerleben begleitet haben: die Macht der (sehr direkt behandelten) Sexualität, die Vergänglichkeit des Menschen, die amerikanische Gesellschaft – hier in der Nach-Vietnam-Ära, im Jahr des Clinton-Lewinski-Skandals.

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Juli Zeh: Unterleuten (Roman, 2016)

Das Dorf Unterleuten ist zwar fiktiv, aber es liegt dennoch im Brandenburgischen. Auf den ersten Blick wirkt es beschaulich. Es ist arm an landschaftlichen Reizen, jedoch reich an Menschen mit interessanten Lebensgeschichten. Großstädter wollen gerne in diesem Provinznest wohnen. Wenn sie allerdings meinen, sich dort ihren Traum vom schönen Leben fernab der Metropole Berlin erfüllen zu können, so irren sie sich. Die Alteingesessenen pflegen ihre Konflikte aus der Zeit vor und nach der „Wende“ und die Neubürger bringen ihre Probleme mit.

Literaturklub 18. Juni 2018

Der Streit im Dorf eskaliert, als man die Gegend zum idealen Standort für den Bau von Windrädern erklärt. Manche würden durch sie zu Wohlstand kommen, andere hätten beträchtliche Nachteile. Neid und Missgunst greifen um sich. Alte Rechnungen werden beglichen. Es geht in dieser kleinen Welt zu wie in der großen – Unterleuten als kleines Abbild der Bundesrepublik.

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Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle (Roman, 2001)

Ein Roman? Nein, es sind zwei, ineinandergeschnitten: die Geschichte des Rabbi Manasseh, der im 17. Jahrhundert der Inquisition entkommt, aber im toleranten Holland nicht die erhoffte Freiheit findet, und die Story des Wiener Zeitgenossen Viktor, der zwischen Studentenrevolte und alltäglichem Faschismus seine Identität sucht. Was die beiden Erzählungen miteinander zu tun haben, darf der Leser sich klarmachen.
Menasse, „österreichischer Vorzeigeintellektueller“ ist mit diesem Werk als Erzähler bekannt geworden; 2017 hat er für seinen EU-Roman „Die Hauptstadt“ den Deutschen Buchpreis erhalten.

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Lesung und Gespräch mit Martin von Arndt: Tage der Nemesis (Roman, 2014)

25 Jahre Literaturklub Sindelfingen

Lesung und Gespräch: Martin von Arndt
Tage der Nemesis

Das Armenien-Problem der Türkei war einst auch ein Problem des Deutschen Reiches. In den 1920er Jahren gab es auf deutschem Boden terroristische Attacken gegen die Verantwortlichen des Massakers von 1915. Davon erzählt dieses Buch: Als Kommissar Eckert die Anschläge aufklären will, gerät er in ein europaweites Netz politischer Abhängigkeiten, in die auch „die Deutschen“ verwickelt sind. Von den Vergeltungsakten einer armenischen Untergrundorganisation handelt der spannende Thriller, den der in Ludwigsburg geborene Martin von Arndt 2014 vorgelegt hat.

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Uwe Timm: Vogelweide (Roman, 2013)

Warum ergreift der Geschäftsmann Christian Eschenbach die Chance, sich auf der menschenleeren Nordseeinsel Scharhörn als Vogelwart zu verdingen? Liegt es an seinem Scheitern als Chef einer IT-Firma oder am Zerbrechen seiner Beziehung zu Anna, der Frau des Architekten und Freundes Ewald, oder ist es der Überdruss an seinem bisherigen Leben?
Das Werk des Schriftstellers Uwe Timm (geb. 1940) ist umfangreich. Bekannt wurde er durch „Die Entdeckung der Curry-Wurst“ und das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“. Am Beispiel seines Bruders geht er der Frage nach, was einen Menschen dazu bringen konnte, sich freiwillig der Waffen-SS anzuschließen. In „Der Freund und der Fremde“ zeichnet er ein Bild seines Mitschülers Benno Ohnesorg. Der Roman „Vogelweide“ ist 2013 erschienen.

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