Thomas Mann: Königliche Hoheit (Roman, 1909)

Man kann „Königliche Hoheit“ als eine Art Märchen lesen, diesen zweiten Roman Thomas Manns. Es geht darin wie in den „Buddenbrooks“ um den Niedergang einer Dynastie. Aber im Gegensatz zur Lübecker Kaufmannsfamilie wird der Zusammenbruch durch eine finanziell attraktive Hochzeit verhindert. Prinz Klaus Heinrich ist von Geburt an mit einer Behinderung geschlagen. Obwohl vom Volk geliebt, erlebt er sich als Außenseiter. Er durchschaut die Dekadenz seiner Familie und kapiert irgendwann auch die wirtschaftlichen Probleme seines Landes. In Imma, der Tochter eines reichen Amerikaners, findet er eine Frau, die ihm entspricht. Auch sie ist eine Außenseiterin und für einen Adligen nicht standesgemäß. Doch die beiden lassen sich nicht beirren. Das alles erzählt Thomas Mann mit ironischer Heiterkeit. Wie immer versteckt er auch in dieser Geschichte viel Persönliches.

Lesung mit verteilten Rollen.
Skript: Roland Häcker

Montag, 19. Januar 2026 um 19:00 Uhr
Wohnanlage „Bärle-Eck“ (Versammlungsraum im 1. OG)
Leonberger Str. 1 in Sindelfingen
Eingang: Obere Vorstadt (links von der Sparkasse)

Christian Kracht: 1979 (Roman, 2001)

Zwei deutsche Globetrotter, ehemals ein Liebespaar, jetzt zerstrittene Reisepartner, kommen Anfang 1979 nach Teheran. Dort ist die Atmosphäre schon völlig bestimmt durch den unmittelbar bevorstehenden islamistische Umsturz Khomeinis. Die beiden nehmen teil an einer letzten Party von Europäern und einheimischen Nutznießern des Schah-Regimes. Nach dem ausschweifenden Fest mit Alkohol und Drogen kommt der eine der beiden, ein hochgebildeter Kunstkenner und Salonlöwe, elend zu Tode. Sein „schlichterer“ Partner, der Ich-Erzähler des Romans, nimmt sich nach diesem Schock vor, sein Leben ganz neu zu orientieren. Auf den Rat eines Esoterikers nimmt er die weite Reise zum heiligen Berg Kailash in Tibet auf sich, wo er sich, fern von seiner alten Welt des Luxus und des ästhetischen Genusses, etwas wie Erleuchtung verspricht. Dort wird er aber von chinesischen Soldaten gefangengenommen und gerät schließlich in ein kommunistisches Straflager. Aufgabe des Lesers ist es, den inneren Weg zu deuten, den der ständig Reflektierende im Grauen des chinesischen Gulag beschreitet.