Iris Wolff: Lichtungen (Roman, 2024)

Iris Wolff, 1977 in Rumänien geboren, wagt in ihrem Roman Lichtungen ein Experiment: Das
Buch kehrt die chronologische Reihenfolge um. Es beginnt mit dem Ende der Hand-
lung und dringt in die Vergangenheit vor, bis zu Levs früher Kindheit. Lev, eigentlich
Leonhard, Deutschstämmiger im Vielvölkerstaat Rumänien, lebt in einem kleinen
Dorf in den Wäldern des Nordens, dessen heimatliche Anziehung ihn nicht loslassen
will. Wir lernen bei der Zeitreise zurück, in die Zeit von Ceauşescus Diktatur und die
Epoche davor, die Ursprünge der Traumata kennen, die ihn bis heute in ihrem Bann
halten. Und wir gelangen zu den Anfängen seiner eigenartigen Beziehung zu Kato, der
selbstbewussten, künstlerisch begabten Außenseiterin, die den Ausbruch in die
Fremde braucht, um herauszufinden, wer sie ist. Am Anfang des Buchs findet das un-
gewöhnliche Paar wieder zusammen.

Heinrich Mann: Professor Unrat (Roman, 1905)

Das Buch wurde erst durch den Film „Der Blaue Engel“ mit Marlene Dietrich und Emil Jannings (1930) so richtig bekannt. Aber der Film erzählt eine ganz andere Geschichte.
Professor Raat ist ein Opfer seines Namens und der damaligen preußischen Obrigkeit. Er sieht seinen Lebenssinn zunächst im Kampf gegen die unbotmäßigen Schüler, die ihn als „Unrat“ beschimpfen. Die Begegnung mit der „Künstlerin Fröhlich“ im Blauen Engel verändert sein Leben. Er ist fasziniert von der jungen Frau. Mit ihrer Hilfe erweitert er seine Kampfzone auf die ganz Stadt, hinter der man Lübeck vermuten darf. Aus dem eher biederen Schulmeister mit humanistischen Werten wird allmählich ein Anarchist, der die ganze Gesellschaft attackiert. Dass er am Ende scheitert, hat mit dem Schüler Lohmann zu tun, der ihm von Anfang an in vieler Hinsicht überlegen ist.