Italo Calvino (geb. 1923): Der Baron auf den Bäumen (Roman, 1957)

Eine italienische Adelsvilla im Jahre 1767: Der zwölfjährige Sohn des Barons verlässt verärgert den Mittagstisch und steigt auf die große Eiche vor dem Haus. Und er beschließt, sein ganzes Leben auf den dicht beieinander wachsenden Bäumen Liguriens zu verbringen.
Aus dieser absurden Ausgangssituation entwickelt Calvino eine Erzählung, die sich dem Spiel der Fantasie verdankt, die aber auch das Bild einer wichtigen Epoche der europäischen Geschichte zeichnet – Voltaire und Napoleon treten in Erscheinung. Hinter dem bunten Kaleidoskop der Episoden stehen politisch-philosophische Vorstellungen des Autors Calvino, eines der bedeutendsten italienischen Schriftsteller seiner Epoche, der vom Idealismus des antifaschistischen Partisanenkampfs im Zweiten Weltkrieg geprägt war.

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Kurban Said: Ali und Nino (Roman, 1937)

Wer den Roman geschrieben hat, der 1937 unter dem Pseudonym Kurban Said in Wien erschienen ist, wird bis heute diskutiert. Warum das bereits vergessene Buch 1970 wiederentdeckt wurde und zum Welterfolg avancierte, lässt sich nicht überzeugend erklären. Und umstritten ist auch, ob es das „Meisterwerk“ ist, als das es gerühmt wurde, oder ein Trivialroman.
In der Ölstadt Baku am Kaspischen Meer stehen sich am Anfang des 20. Jahrhunderts (und bis heute) islamische Tradition und europäische Moderne gegenüber. Als sich der vornehme Aserbaidschaner Ali und die christliche Georgierin Nino ineinander verlieben, hat ihre Liebe mit den Vorbehalten der Familien und Ethnien, aber auch mit der sehr unterschiedlichen Prägung der beiden Personen selbst zu kämpfen. Ali und Nino überstehen in der bewegten Epoche um den Ersten Weltkrieg wechselhafte Schicksale; ein glückliches Ende kann es nicht geben.
Der Roman führt in bunten Bildern eine vergangene orientalische Welt vor, die Konflikte aber, die ihn bestimmen, sind heute aktueller denn je.

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Peter Härtling: Eine Frau (Roman, 1974)

Katharina kommt 1902 als jüngstes Kind des Fabrikanten Georg Wüllner und seiner jüdischen Ehefrau Susanne in Dresden zur Welt. Sie wächst in einer Villa mit großem Garten auf. Die junge Frau schwankt zwischen Anpassung und Aufmüpfigkeit. Sie heiratet den Fabrikanten Perchtmann, zieht ins mährische Brünn und bekommt vier Kinder. Dem nationalen und antisemitischen Denken ihres Mannes steht sie kritisch gegenüber und sucht lieber den Kontakt zu den Arbeitern. Der Zweite Weltkrieg zerstört die Firma, die Familie, die Heimat, das Vermögen. Katharina flieht mit der Mutter, der jüngsten Tochter und der alten Kinderfrau nach Deutschland.
In Stuttgart, wo Katharinas Flucht schließlich endet, fängt sie als Packerin an, geht eine neue Beziehung ein und bereitet den Kindern ob ihrer Eigenwilligkeit ziemlichen Ärger. Sie ist mal Bürgerliche, mal linke Aktivistin. Aber nirgendwo gehört sie „richtig“ dazu.

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Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb (Roman, 1989)

Kazuo Ishiguro, der japanischstämmige Literatur-Nobelpreisträger von 2017, hat für seinen bekanntesten Roman ein Milieu gewählt, das englischer nicht sein könnte: ein Herrenhaus mit Lord und hochprofessioneller Dienerschaft. Stevens ist ein musterhafter Butler, der seine Emotionen dem perfekten Service unterzuordnen weiß und darin seine Erfüllung findet. Aber es fallen Schatten auf dieses Ideal: In den 30er Jahren bringt ihn seine Loyalität in den Dunstkreis des Anglofaschismus, nach dem Weltkrieg gerät sein Berufsstand durch die gesellschaftlichen Veränderungen in eine schwere Krise, und schließlich muss er sich fragen, ob er nicht die Liebe seines Lebens dem rigorosen Berufsethos zum Opfer gebracht hat. Vor ihm steht der Lebensabend, das, „was vom Tage übrig blieb“ – wird er eine Wende bringen?

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Eginald Schlattner: Der geköpfte Hahn (Roman, 1998)

Eine Kleinstadt in Siebenbürgen 1944: Das jahrhundertelange friedliche Zusammenleben der deutschen „Sachsen“ mit den anderen Bevölkerungsgruppen wird durch den Einfluss von Nazi-Deutschland immer problematischer. Am 23. August aber wechselt Rumänien vom verbündeten Deutschland zur Sowjetunion und leitet so das Ende der deutschen Siedlungsgeschichte in Siebenbürgen ein. Vor diesem Hintergrund sucht ein 16jähriger seinen Weg zwischen Hitler-Begeisterung und christlichem Glauben, erlebt Freundschaft, Verrat und Liebe.
Schlattner, geb. 1933, schuf in seinem Romandebüt ein buntes, lebensvolles Panorama seiner Heimat. Er wirkt noch heute als „letzter Pfarrer von Rothberg“ (bei Hermannstadt/Sibiu).

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George Orwell: 1984 (Roman, 1949)

Diese Vision eines totalitären Überwachungsstaats spielt in London. Die Stadt macht einen verwahrlosten Eindruck, die Lebensbedingungen seiner Bewohner sind katastrophal. Die Partei des Großen Bruders hat alles, auch die Privatsphäre, voll im Griff. Sie legt fest, was Wahrheit ist, sie manipuliert die Geschichte, sie hält das Volk mit ständigem Krieg an der Kandare. Trotzdem wagt es Winston Smith, sich dem Regime zu widersetzen. Das ist gefährlich, denn die Machthaber unterdrücken jede Form des Widerstands.

Der Roman ist 1949 erschienen. Viele meinen, er habe in unserem „postfaktischen Zeitalter“ neue Aktualität erhalten. Die darin beschriebenen Methoden der Unterdrückung des freien Denkens durch Manipulation der Sprache kommen uns Heutigen recht modern vor.

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Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Der Gattopardo (Roman, 1954)

In den Kämpfen um die Einigung Italiens im 19. Jahrhundert sucht der sizilianische Fürst von Salina einen Weg zwischen Offenheit für die neue Gesellschaftsordnung und skeptischer Distanzierung. Am Ende muss er erkennen: Mit ihm, dem stolzen „Gattopardo“, stirbt das Haus Salina.
Der hochadlige Autor Tomasi di Lampedusa, dessen Urgroßvater das Vorbild für Salina war, hat den Welterfolg seines einzigen Romans und die grandiose Verfilmung durch Visconti nicht mehr erlebt.

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