John Salinger: Der Fänger im Roggen (Roman, 1951)

Der 16jährige Holden Caulfield fliegt zum wiederholten Mal aus einem feinen Internat und treibt sich, bevor er sich nach Hause traut, ein paar Tage lang in New York herum. Hier wie dort trifft er auf eine Welt, die ihm „unecht“ erscheint und ihn abstößt. Ihm bleiben nur Erinnerungen, unrealistische Visionen wie die vom titelgebenden Kinder-Beschützer im Roggenfeld – und am Ende das Sanatorium.

Der Roman gehört zu den größten Erfolgen seiner Zeit – ein „Kultbuch“, nach dem ein ganzes Jahrzehnt „Ära Salinger“ genannt wurde. Heute gibt es junge Blogger, die das Werk für hoffnungslos gestrig halten, aber auch Feuilletonisten, die ihre bleibende Fasziniertheit bekunden. Wer den Roman heute (erneut) liest, wird sich u.a. die Frage stellen, wie gerade dieses Werk zu einem Lieblingsbuch der sich auflehnenden US-Jugend werden konnte.

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Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen (Roman, 2015)

Der Literaturwissenschaftler Richard versteht mit schriftlichen und mündlichen Äußerungen umzugehen. Er merkt, welcher Geist sich hinter öffentlichen Verlautbarungen verbirgt und kann Lebensgeschichten deuten, auch als Ruheständler, der er seit Kurzem ist. Beim Gang durch die Stadt fällt sein Auge auf ein Flüchtlingscamp am Berliner Oranienplatz. Bald darauf wird es geräumt. Richard schaut genauer hin. Was er sieht, was er allmählich begreift, vermittelt der Roman von Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen.

Die Menschen vom Oranienplatz sind aus Afrika Geflohene, Jahre vor dem Flüchtlingssommer 2015. An ihren exemplarischen Geschichten wird deutlich, welcher Zusammenhang zwischen „den Fremden“ und uns, der deutschen Gesellschaft, besteht.

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Christoph Martin Wieland: Don Sylvio von Rosalva (Roman, 1764)

Die Geschichte handelt von einem 18-Jährigen, der erst von einer Ideologie geheilt werden musste, um leben und lieben zu können. Weil er die Märchenwelt der Feenliteratur zu ernst nahm, blieb ihm der Blick auf die Realität verstellt. Heute sind es nicht mehr die Feen, die blenden, sondern politische Scharfmacher, die bei manchen Mitmenschen einen „Faktenverlust“ auslösen…

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Marcel Beyer: Flughunde (Roman, 1995)

Zwei Stimmen wechseln sich ab. Die eine gehört Hermann Karnau, einem eigenbrötlerischen Akustiker; er verhilft beruflich den nationalsozialistischen Propagandareden zur rechten Wirkung, privat aber ist er besessen von einem fundamentalen Interesse an der menschlichen Stimme, und er bekommt die Möglichkeit, diesem Drang in bizarren Experimenten nachzugehen. Die andere Stimme ist die von Helga Goebbels, die als Tochter des Propagandaministers eine privilegierte und zugleich belastete Kindheit erlebt. Nach gelegentlichen Kontakten treffen die beiden in den letzten Tagen des Weltkriegs in der klaustrophobischen Atmosphäre des Berliner Führerbunkers zusammen, wo das Mädchen und seine Geschwister ein mysteriöses Ende finden.

Eine hochaktuelle Analyse des Verhaltens unter der Diktatur? Oder eine abgründige Horrorgeschichte? Ein literarisches Kunststück, das beides zugleich sein will? Mit diesem Roman gelang Marcel Beyer, dem Büchner-Preisträger von 2016, im Jahre 1995 der internationale Durchbruch.

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Michel Houellebecq: Unterwerfung (Roman, 2015)

Was wäre, wenn sich bei der Wahl zum französischen Staatspräsidenten der Kandidat der Muslimbrüder durchsetzen würde? Davon erzählt dieser „utopische Roman“, der 2015 erschienen ist, zeitgleich zum Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Die Hauptperson des Romans ist der Literaturwissenschaftler François. Er forscht über den dekadenten Schriftsteller Huysmans, führt ein etwas oberflächliches Leben mit wechselnden Beziehungen und braucht einige Zeit, bis er merkt, dass sich die französische Gesellschaft verändert. Soll er sich auch verändern?

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Hinweis:
Passagen in der Schrift Arial sind von Roland Häcker, die Teile mit der Schrift Times und dem Balken am linken Rand hat Brigitte Dobler-Coyle verfasst.

Günther Grass: Katz und Maus Novelle (1961)

Die „Danziger Trilogie“, durch die Grass berühmt wurde, ist bis heute der bekannteste Teil seines Werks. Seinerzeit mischte sich in den Beifall besonders bei „Katz und Maus“ empörter Protest von Moralbesorgten und Ritterkreuzträgern. Heute gilt die Novelle von dem Außenseiter Mahlke, den die Auffälligkeit seines Adamsapfels zu ungeahnten Kompensationsleistungen treibt, als Meisterwerk – als Musterbeispiel für die „munterschwarzen Fabeln“, die Grass laut Jury 1999 den Nobelpreis einbrachten.

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Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe (Bildungsroman 2013)

Eine vorpommersche Kleinstadt in einer Region, die zu den Wende-Verlierern zählt. Ein Gymnasium, dem wegen Schülermangels die Schließung bevorsteht. Eine alternde Lehrerin, die sich unter einem Schulleiter aus dem Westen, neben Altkommunisten und Schülerversteherinnen isoliert fühlt. Aber unbeirrt unterrichtet sie ihre Fächer Biologie und Sport; Disziplin ist selbstverständlich, Entgegenkommen unnütz. „Was sie sagte, wurde gemacht.“ …

Die junge Autorin (geb. 1980 in Greifswald) lässt uns den Bewusstseinsstrom der Protagonistin mitverfolgen, ihre Selbsttäuschungen durchschauen und schließlich ihre Krise miterleben: Sie versteht ihr eigenes Handeln nicht mehr, Verdrängtes aus der Vergangenheit tritt wieder zutage und bringt sie zum Abfall von ihrem Abgott Darwin.

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