Norbert Gstrein: Als ich jung war (Roman 2019)

Norbert Gstrein, geboren 1961 aus einer Hoteliers- und Skilehrerfamilie in Tirol, studierte Mathematik in Innsbruck und den USA, begann aber schon im Jahr seiner Promotion eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller. 2019 bekam er nach vielen anderen Auszeichnungen den Österreichischen Buchpreis für seinen Roman „Als ich jung war.“
Der „Scheinkrimi“, wie das Buch genannt wurde, stellt viele Fragen: Ist die exzentrische Iris in der Nacht nach ihrer Hochzeit selbst von der Felswand gesprungen, oder hat ihr jemand einen Schubs gegeben? Auch der Erzähler, Hoteliersohn und Hochzeitsfotograf, wird verdächtigt. Und was hat es mit dem Kuss auf sich, den der gedankentiefe, ehrgeizlose Außenseiter kurz vorher fast an derselben Stelle der jungen Sarah abgenötigt hat? Warum setzt er sich gleich darauf nach Amerika ab, wo sein väterlicher Freund und Skischüler absichtlich in den Tod rast? Nur allmählich wird er selbst und wird der Lesende sich klarer darüber, was es mit diesem belasteten Leben auf sich hat. Der Schluss aber lautet: „… und das war ein guter Anfang.“

Eva Menasse: Dunkelblum, Roman (2021)

In Dunkelblum haben die Mauern Ohren, die Blüten in den Gärten haben Augen, sie drehen ihre Köpfchen hierhin und dorthin, damit ihnen nichts entgeht, und das Gras registriert mit seinen Schnurrhaaren jeden Schritt.
So beginnt der Roman von Eva Menasse, die 1970 in Wien geboren wurde und heute in Berlin lebt. Darin wird nicht nur das Massaker von Rechnitz verarbeitet, bei dem am Palmsonntag 1945 an die 200 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter während einer Schlossfestivität ermordet und in ein Massengrab geworfen wurden. Nein, aus der Sicht unterschiedlicher Personen, mit Erinnerungen und Gedankenassoziationen erleben wir beim Lesen viel allgemeiner und gleichzeitig auch differenzierter unaufrichtiges menschliches Verhalten – gepaart mit Vorurteilen jeder Art – nicht bloß im Zusammenhang mit der verdrängten Vergangenheit.
Man wünschte Gott, dass er nur in die Häuser sehen könnte und nicht in die Herzen.