Martin Mosebach: Mogador (Roman 2016)

In der marokkanischen Hafenstadt Essaouira, hier mit dem alten Namen Mogador genannt, wo das traditionelle maghrebinische Milieu und die Smartphone-Moderne in einem unverlässlichen staatlichen Rahmen koexistieren, treffen zwei höchst verschiedene Personen zusammen: der junge deutsche Banker Patrick Elff, der aus Angst vor Strafverfolgung hier Zuflucht bei einem vermeintlichen Patron sucht, und die Selfmade-Geschäftsfrau und Puffmutter Khadija, die ganz der alten Welt der Dschunat-Geister und Wahrsager verhaftet ist. So unterschiedlich die Hauptcharaktere, so verschiedenartig der überraschende Ausgang.

Francesca Melandri: Alle, außer mir (Roman, 2018)

Der dritte Roman der in Italien für ihre TV-Drehbücher bekannten Autorin ist eine Reise in die italienische Seele, so zitiert der deutsche Klappentext die Tageszeitung La Repubblica.

Otello – Attilio – Ilaria – Shimeta Ietmgeta Attila Profeti – diese Namen verbindet eine spannende Familiengeschichte, die uns nicht nur von Berlusconi im Jahr 2010 in die Zeit des Faschismus und zu den kolonialen Aktivitäten Italiens im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zurückführt, sondern auch wieder näher zu uns und den überfüllten Schlauchbooten, die heutzutage im Mittelmeer an der Küste von Lampedusa anlegen. „Das Interessante bei allen meinen Lesungen war, da ist immer jemand aufgestanden und hat einfach mitgeteilt, ja, bei mir ist das auch passiert, das war mein Vater oder mein Großvater oder mein Onkel.(Deutschlandfunk Kultur, 2.10.18)

Hier gibt es das Referat als PDF-Datei (17 Seiten) zum Herunterladen.

Literatur und Musik: Vorstellung von Romanen

Artikel in der SZ/BZ

Hier der Artikel von Bernd Heiden in der SZ/BZ (für Abonnenten). Für alle Nicht-Abonnenten hat die SZ/BZ der Veröffentlichung auf unserer Seite dankenswerterweise zugestimmt – hier gibt es daher den Artikel zum Herunterladen als PDF.
Quelle: Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung (SZ/BZ)

Neustart des Literaturklub am 20.07.2021 im Stiftshof
Foto: Bernd Heiden. Mit freundlicher Genehmigung der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung (SZ/BZ)

Dörte Hansen: Mittagsstunde

Dörte Hansen hat in ihrem zweiten Roman die Thematik ihres Debütromans „Altes Land“ weitergesponnen. Nun geht es nicht mehr nur um die Veränderungen des dörflichen Lebens in den letzten Jahrzehnten, sondern auch um ein facettenreiches Beziehungsgeflecht zwischen Jung und Alt, dargestellt in nachdenklich machenden Stimmungsbildern, die an Theodor Storm und Emil Nolde erinnern. Musikalische Anspielungen tragen geschickt zur Verlebendigung vergangener Zeiten bei. Die Autorin, die inzwischen vom Alten Land in ihre Heimatstadt Husum gezogen ist, nimmt uns beim Lesen behutsam mit in ihre nordfriesische Welt.

Referat von  Renate Alber-Bussas und Renate Fischer zum Herunterladen.

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos

Heldin ja, Heilige nein!
Sie habe „eine Hommage, keine Hagiographie“ verfasst, eine Huldigung, aber keine Heiligenlegende, sagt die Autorin über das Buch, für das sie den Deutschen Buchpreis 2020 erhalten hat. Sie ist fasziniert von der heute 97 Jahre alten, immer noch höchst lebendigen Anne Beaumanoir, der Kämpferin und menschenfreundlichen Helferin, die in der Résistance gegen die deutschen Besatzer und dann im algerischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Kolonialmacht Frankreich ihr Leben eingesetzt hat, und widmet ihr ein „Epos“, eine Gattung, die Männern vorbehalten schien. Sie, oder jedenfalls die im Werk präsente Erzählerin, lässt aber erkennen, dass ihre radikale Protagonistin für sie nicht eine Idealfigur ist, sondern eine Person, deren Einstellungen und Entscheidungen sie kritisch-liebevoll reflektiert.

Referat von Dr. Gerhard Vogt zum Herunterladen.

Benedict Wells: Hard Land

„Es ist ein hartes Land, und es wird dir alles abverlangen“, heißt es in dem Versepos „Hard Land“ des Dichters William J. Morris, der in der Kleinstadt Gradys, Missouri, gelebt hat. Es gibt den Dichter, besagtes Epos und die kriselnde Stadt Gradys – allerdings nur in Benedict Wells‘ Roman. Darin erzählt er von dem schüchternen, etwas ängstlichen 15-jährigen Sam, der in den Sommerferien 1985 „Hartes“ durchmachen muss, aber auch Schönes erlebt. Schlimm in diesem Sommer ist der Tod seiner geliebten Mutter, die an Krebs erkrankt war. Das Schöne ist die Freundschaft mit Cameron, Hightower und Kirstie, die zwei Jahre älter sind als Sam und demnächst studieren werden.

Referat von Roland Häcker zum Herunterladen.

Lesezeichen: Eva Christina Zeller – dekanatsquitte

Das Gedicht „dekanatsquitte“ der Tübinger Lyrikerin Eva Christina Zeller stammt aus ihrem jüngsten Gedichtband „Proviant von einer unbewohnten Insel“. Mit der Überschrift wird der größte Teil der Lesenden wenig anfangen können (was bei Lyrik ja nicht so unüblich ist). Sie lässt sich aber erklären: Es geht um einen Quittenbaum im Tübinger „Dekanatsgarten“, dem Garten zwischen dem Evangelischen Dekanatsgebäude (in dessen Gartengeschoss die Autorin wohnt) und dem Neckar. Und so wissen wir: Wir befinden uns etwa 250 Meter vom Hölderlinturm (und der „Hölderlinquitte“) entfernt.

Eva Christina Zeller
Eva Christina Zeller. Foto von Yvonne Berardi

Hier ist das Lesezeichen als PDF zum Herunterladen (4 Seiten).

Autor: Dr. Gerhard Vogt

/

Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etc.

„Mädchen, Frau etc.“ erschien Anfang 2021 auf Deutsch. Ende 2019 erhielt die 60-jährige Schriftstellerin Bernardine Evaristo (Tochter eines Schweißers aus Nigeria und einer Lehrerin aus London) für diesen außergewöhnlichen Roman den renommierten Booker-Prize – gemeinsam mit Margaret Atwood für „Die Zeuginnen“.
Als Rahmenhandlung dient eine Premiere im Londoner Nationaltheater, zu der die farbige Theatermacherin Amma Bonsu zahlreiche Bekannte, Freunde und ihre Tochter eingeladen hat. Während diese dort eintreffen, gibt die Erzählerin ihnen Gelegenheit, über ihre teilweise rassistischen Erfahrungen in England, ihre Beziehung zu Amma und vor allem über ihre ethnische Herkunft zu reflektieren. Dabei spannt sich der Bogen von der 19-jährigen, etwas flippigen Tochter Yazz über den Mann, durch dessen Samenspende sie gezeugt wurde, bis hin zu Grace, der Mutter der 93-jährigen Hattie, die ihre vielköpfige Familie zu Weihnachten auf ihren Bauernhof in Yorkshire eingeladen hat.

Dieses Lesezeichen herunterladen (PDF, 19 Seiten).

Autorin: Renate Alber-Bussas

Lesezeichen: Bernardine Evaristo

Amanda Gorman – so heißt die 23-jährige junge Dame, die am 20. Januar 2021 in Washington, D.C. bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten ihr Gedicht The Hill We Climb vorgetragen und dabei Joe Biden und Kamala Harris fast die Schau gestohlen hat – damit nicht genug: bei der Übersetzung des Textes ins Niederländische gab es fünf Wochen später eine heftige Debatte – ohne Beteiligung der Autorin – zu der Frage, ob solch ein Text übersetzt werden darf, ohne dass man oder frau dem gleichen ethnischen, gendermäßigen und soziokulturellen Hintergrund angehört.

Amanda Gorman
Foto: Navy Petty Officer 1st Class Carlos M. Vazquez II

Das veranlasste den Verlag Hoffmann und Campe, für die deutsche Übersetzung ein sogenanntes ‚erfahrungsdiverses‘ Team von drei Frauen zu engagieren und schließlich eine zweisprachige Ausgabe herauszugeben.

Wir im Literaturklub gehen nun das Wagnis ein, den neuen Roman von Bernardine Evaristo (1959 als Kind einer Mutter aus London und eines Vaters aus Nigeria geboren) vorzustellen, in welchem es um zwölf miteinander verwobene Frauenschicksale und deren ethnischen Hintergrund geht. 2019 erhielt sie dafür zusammen mit Margaret Atwood (Der Report der Magd und Die Zeuginnen) den Booker Prize für den besten englischsprachigen Roman.
Zur Einführung in den ihr eigenen poetischen Stil haben wir ein in englischer Sprache vorliegendes Gedicht ausgewählt, in dem sich die Autorin mit unserer Zeit in der Covid19-Pandemie befasst.

Buchcover Mädchen, Frau, etc.Die folgende deutsche Übersetzung durch einen Mann (Dr. Gerhard Vogt) entstand auf Bitten einer Frau (Renate Alber-Bussas) unter Mitwirkung von zwei weiteren Frauen (Dr. Vogts Ehefrau und Tochter) und einem Philologen mit englischer Muttersprache.
Nach dem Vorbild des Verlags Hoffmann und Campe haben auch wir uns entschlossen, die englische Originalfassung beizufügen.

Die damit verbundene Hoffnung ist, dass keine Rechtfertigungsdiskussion darüber entsteht, sondern dass Sie mit Interesse unser Referat Anfang Mai erwarten und vielleicht sogar anfangen, den Roman zu lesen …

Gedichtübersetzung Bernardine Evaristo: Der Wind (PDF, 2 Seiten)

Video eines Gedichtvortrags durch die Autorin bei PBS SoCal (eine kalifornische Streaming-Community).

Autoren: Renate Alber-Bussas, Dr. Gerhard Vogt