Thomas Mann: Königliche Hoheit

Man kann „Königliche Hoheit“ als eine Art Märchen lesen, diesen zweiten Roman Thomas Manns. Es geht darin wie in den „Buddenbrooks“ um den Niedergang einer Dynastie. Aber im Gegensatz zur Lübecker Kaufmannsfamilie wird der Zusammenbruch durch eine finanziell attraktive Hochzeit verhindert. Prinz Klaus Heinrich ist von Geburt an mit einer Behinderung geschlagen. Obwohl vom Volk geliebt, erlebt er sich als Außenseiter. Er durchschaut die Dekadenz seiner Familie und kapiert irgendwann auch die wirtschaftlichen Probleme seines Landes. In Imma, der Tochter eines reichen Amerikaners, findet er eine Frau, die ihm entspricht. Auch sie ist eine Außenseiterin und für einen Adligen nicht standesgemäß. Doch die beiden lassen sich nicht beirren. Das alles erzählt Thomas Mann mit ironischer Heiterkeit. Wie immer versteckt er auch in dieser Geschichte viel Persönliches.

Thomas Mann: Lotte in Weimar

Charlotte Kestner, 63 Jahre alt, fährt am 22. September 1816 nach Weimar, um ihre Schwester zu besuchen. Aber das ist nur ein Vorwand. Eigentlich möchte sie Goethe wiedersehen, den verrückten, geliebten Freund aus der Jugendzeit. Vor 44 Jahren hat er um sie, die bereits Verlobte, geworben, erfolglos, wie wir wissen. Das Buch über die Dreiecksgeschichte, der „Werther“, wird dagegen sehr erfolgreich.
Der sprachlich kunstvoll gestaltete, mal heiter-ironische, mal komplex-tiefsinnige Roman ist 1939 erschienen, kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Thomas Mann, der sich selbst als Nachfolger des Weimarer „Dichterfürsten“ sieht, schreibt das Buch auch gegen das NS-Regime. Wir begegnen darin einem Goethe, der nicht nur die Züge seines Autors trägt, sondern manches äußert, was die damaligen Machthaber ärgert.

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