„Mädchen, Frau etc.“ erschien Anfang 2021 auf Deutsch. Ende 2019 erhielt die 60-jährige Schriftstellerin Bernardine Evaristo (Tochter eines Schweißers aus Nigeria und einer Lehrerin aus London) für diesen außergewöhnlichen Roman den renommierten Booker-Prize – gemeinsam mit Margaret Atwood für „Die Zeuginnen“.
Als Rahmenhandlung dient eine Premiere im Londoner Nationaltheater, zu der die farbige Theatermacherin Amma Bonsu zahlreiche Bekannte, Freunde und ihre Tochter eingeladen hat. Während diese dort eintreffen, gibt die Erzählerin ihnen Gelegenheit, über ihre teilweise rassistischen Erfahrungen in England, ihre Beziehung zu Amma und vor allem über ihre ethnische Herkunft zu reflektieren. Dabei spannt sich der Bogen von der 19-jährigen, etwas flippigen Tochter Yazz über den Mann, durch dessen Samenspende sie gezeugt wurde, bis hin zu Grace, der Mutter der 93-jährigen Hattie, die ihre vielköpfige Familie zu Weihnachten auf ihren Bauernhof in Yorkshire eingeladen hat.
Amanda Gorman – so heißt die 23-jährige junge Dame, die am 20. Januar 2021 in Washington, D.C. bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten ihr Gedicht The Hill We Climb vorgetragen und dabei Joe Biden und Kamala Harris fast die Schau gestohlen hat – damit nicht genug: bei der Übersetzung des Textes ins Niederländische gab es fünf Wochen später eine heftige Debatte – ohne Beteiligung der Autorin – zu der Frage, ob solch ein Text übersetzt werden darf, ohne dass man oder frau dem gleichen ethnischen, gendermäßigen und soziokulturellen Hintergrund angehört.
Foto: Navy Petty Officer 1st Class Carlos M. Vazquez II
Das veranlasste den Verlag Hoffmann und Campe, für die deutsche Übersetzung ein sogenanntes ‚erfahrungsdiverses‘ Team von drei Frauen zu engagieren und schließlich eine zweisprachige Ausgabe herauszugeben.
Wir im Literaturklub gehen nun das Wagnis ein, den neuen Roman von Bernardine Evaristo (1959 als Kind einer Mutter aus London und eines Vaters aus Nigeria geboren) vorzustellen, in welchem es um zwölf miteinander verwobene Frauenschicksale und deren ethnischen Hintergrund geht. 2019 erhielt sie dafür zusammen mit Margaret Atwood (Der Report der Magd und Die Zeuginnen) den Booker Prize für den besten englischsprachigen Roman. Zur Einführung in den ihr eigenen poetischen Stil haben wir ein in englischer Sprache vorliegendes Gedicht ausgewählt, in dem sich die Autorin mit unserer Zeit in der Covid19-Pandemie befasst.
Die folgende deutsche Übersetzung durch einen Mann (Dr. Gerhard Vogt) entstand auf Bitten einer Frau (Renate Alber-Bussas) unter Mitwirkung von zwei weiteren Frauen (Dr. Vogts Ehefrau und Tochter) und einem Philologen mit englischer Muttersprache. Nach dem Vorbild des Verlags Hoffmann und Campe haben auch wir uns entschlossen, die englische Originalfassung beizufügen.
Die damit verbundene Hoffnung ist, dass keine Rechtfertigungsdiskussion darüber entsteht, sondern dass Sie mit Interesse unser Referat Anfang Mai erwarten und vielleicht sogar anfangen, den Roman zu lesen …
Lili Marleen beim Literaturklub? Ein Schlager, ja, aber ein Text, der Interesse verdient, und interessant ist auch seine weit überwiegend missverstehende Rezeption. Flankierend zwei lyrische Stücke ganz anderer Art, jedoch ebenfalls mit einer Gestalt, die aus dem Dunkel… Sie werden sehen.
Friedrich Dürrenmatt wäre am 5. Januar 2021 hundert Jahre alt geworden. Er ist 1990 gestorben. Aufgewachsen ist er im Emmental. Sein Großvater war ein streitbarer Politiker und Publizist. Er saß wegen einiger Gedichte sogar im Gefängnis. Der Vater Dürrenmatts war Pfarrer. Friedrich besuchte das Berner Gymnasium und studierte in Bern und Zürich. Er heiratete zwei Mal und hatte insgesamt drei Kinder. Um seine finanziellen Probleme zu lösen, schrieb er Theaterkritiken und Kriminalromane sowie Kabarett-Texte.
Berühmt wurde er durch Stücke wie „Der Besuch der alten Dame“ und „Die Physiker“.
Die Prosakomödie „Grieche sucht Griechin“ ist 1955 erschienen. Die Geschichte hat eine „normalen“ Schluss und einen für Leihbibliotheken (Dauer 9:01).
Der Mann im roten Rock (englischer Originaltitel: The Man in the red coat) ist ein 2019 veröffentlichtes Essay von Julian Barnes. Die deutsche Übersetzung erschien 2021 bei Kiepenheuer & Witsch. Barnes beschreibt hierin die Biografie des französischen Arztes Samuel Pozzi und geht zugleich auf den medizinischen Fortschritt im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ein. Er zeichnet dabei ein gesellschaftliches und kulturelles Bild der Belle Époque in Paris nach und verweist auf deren internationale Verflechtungen.
Nein, nicht Goethes Lyrik nach 1820 ist gemeint. Es geht um zwei Gedichte von Geraint Jones und Jenny Joseph , die in einer englischen Sammlung auf gegenüberliegenden Seiten stehen – so angeordnet nicht wegen ihrer Eigenart, sondern einfach aufgrund der alphabetischen Ordnung nach den Verfassernamen. Ein Zufall: In beiden geht es um das Alter – aber die beiden könnten gegensätzlicher kaum sein. Da das Thema für die Eine und den Anderen im Literaturklub und bei den Leserinnen und Lesern der Homepage eine gewisse Aktualität besitzt (und für den Rest über kurz oder lang besitzen wird), sei das kontrastierende Paar präsentiert, der Betrachtung wert, je für sich und insbesondere in ihrem Gegensatz.
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