Er gilt als ein Jahrhundertwerk, dieser umfangreiche Roman, der zum ersten Mal 1951 erschienen ist. Die einst recht bekannte Autorin erzählt die Geschichte mehrerer jüdischer Familien. Sie leben in Süddeutschland und Berlin. Die Handlung beginnt 1878 und endet in den 1940er Jahren. Die Effingers sind Handwerker, Fabrikbesitzer und Bankiers. Während der Kaiserzeit geht es ihnen gut. In der Weimarer Republik leiden sie wie alle Deutschen an der Inflation und den Folgen des Versailler Vertrags. Dann werden sie Opfer des NS-Regimes. Ein wichtiger Roman über die jüngere deutsche Geschichte und zugleich ein aktueller Beitrag zur Antisemitismus-Debatte.
Autor: Literaturklub Sindelfingen
Graham Greene: Orient-Express
Graham Greene, den man zu den meistbeachteten Romanciers des 20. Jahrhunderts zählen darf, ist bekannt für ungewöhnliche Schauplätze, die er als manisch Reisender selber aufs gründlichste kennen gelernt hat, und für die sehr besonderen Konflikte, in die der parteiferne Linke und unorthodoxe Katholik viele seiner Figuren bringt. Sein vierter Roman „Orient-Express“ von 1932, mit dem ihm der literarische Durchbruch gelang, ist kein Krimi wie Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ (1934), aber ein bewusst auf Spannung und Publikumswirksamkeit angelegtes Buch.
Auf engem Raum zusammengeschlossen rast eine Vielzahl von Menschen durch den winterlich trüben und politisch unsicheren Balkan nach Istanbul, in luxuriösen Schlafkabinen ruhend oder auf die Sitzbänke der Holzklasse gepfercht. Und auch hier treffen wir auf ungewöhnliche Personen: Da ist ein reicher jüdischer Geschäftsmann, der sich ständig der Vorbehalte der anderen gegenüber seiner „Rasse“ bewusst ist. Da ist eine junge Revuetänzerin, aus der Unterschicht ins Künstlermilieu gelangt, die froh sein muss, eine Krankheitsvertretung in Istanbul ergattert zu haben. Und es gibt einen geheimnisvollen älteren Herrn, der Lehrer und doch eigentlich Arzt ist und dessen aufregende politische Vergangenheit erst allmählich aufgedeckt wird … Nicht alle Passagiere kommen am vorgesehenen Zielort an.
Alice Munro: Zwei Erzählungen aus „Tricks“: „Ausreißen“ und „Leidenschaft“
Alice Munro, Jahrgang 1931, ist eine Schriftstellerin aus Ontario, Kanada, die sich mit ihren Kurzgeschichten (mehr als 150 an der Zahl) an die Spitze der Weltliteratur geschrieben hat. Für ihr erzählerisches Werk, das 14 Bände mit Erzählungen und außerdem noch einen Roman umfasst, hat sie fast jeden wichtigen Literaturpreis bekommen, 2013 schließlich den Nobelpreis.
In Alice Munros Erzählungen gibt es keine spektakulären Ereignisse, es geht immer um das, was das tägliche Leben ausmacht, um Hoffnungen und Träume, um Leidenschaft und Enttäuschungen. Dabei gibt es immer wieder Momente, wo alles plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheint, wo das Vertraute fremd und das Alltägliche rätselhaft wird. Ein Kritiker schreibt: „Alice Munro kann auf wenigen Seiten eine ganze Welt entfalten.“ Der Leser wird sofort in diese Welt hineingezogen.
Ein Abend im Romanischen Café
„Sindelfingens Weg in die Moderne 1918 – 1932“ – so heißt das große Ausstellungsprojekt der Städtischen Museen. Wir als Literaturklub Sindelfingen fühlten uns herausgefordert, innerhalb dieses Rahmens die progressive literarische Szene des damaligen Sindelfingen und ihre großen Autoren zu präsentieren. Nur: In der schwäbischen 5000-Einwohner-Stadt wurden wir nicht wirklich fündig.

Was also tun? Wir laden dahin ein, wohin ein literaturbegeisterter Sindelfinger hätte fahren müssen, um dem Puls der literarischen Entwicklung nahe zu sein. Unser Thema:
Ein Abend im Romanischen Café
Zentrum der deutschen Literatur war in den 20er Jahren zweifellos Berlin, genauer aber das berühmte Romanische Café beim Kurfürstendamm. Hier hielten die etablierten Größen der Literatur Hof, hier diskutierte alles, was in der schreibenden Zunft einen Namen hatte oder erwerben wollte. Ein Potpourri aus dem Schaffen der Edelfedern, die zu diesem geistigen Biotop gehörten, war im Stadtmuseum zu hören. Prominente Stammgäste und auch Gelegenheitsbesucher des Cafés, von Bert Brecht bis Kurt Tucholsky, von Alfred Döblin bis Mascha Kaleko, lasen – verkörpert durch Mitglieder des Literaturklubs Sindelfingen – aus ihren Romanen, Gedichten und Artikeln. So entstand ein skizzenhaftes Bild von der rasanten Entwicklung der Riesenstadt Berlin. Und Sindelfingens Weg in die Moderne? Der kam dabei auch in den Blick. Und ein in Sindelfingen entstandenes Gedicht war zu hören.
Autorenlesung mit Joachim Zelter: Professor Lear
Zelter ist 1962 in Freiburg geboren. Er studierte nach dem Abitur an der Universität Tübingen Anglistik und Politikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Tübingen. 1993 promovierte er dort mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit in Anglistik. 1995/96 hatte er einen Lehrauftrag im Fach Germanistik an der Yale University in New Haven (Connecticut); 1996/97 lehrte er neuere englische Literatur an der Universität Tübingen.
Joachim Zelter hat eine Reihe von Romanen, Erzählungen und Essays veröffentlicht. „Seine Werke behandeln oft Themen wie zwischenmenschliche Beziehungen, Identität, Kommunikation und das Alltagsleben“, weiß ChatGPT.
Die Begrüßung des Autors gibt es hier zum Nachlesen.
Literatur und Musik
Wie jedes Jahr traf sich der Literaturklub am letzten Abend vor der Sommerpause im Stiftshof trifft, um die Vorstellung von Werken der schönen Literatur mit dem Vortrag schöner Musik zu verbinden.
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