„Afrika, dunkel lockende Welt“ – der deutsche Titel von Tania Blixens Bestseller ist typisch für die Art, wie Afrika lange Zeit in der Literatur präsent war: gesehen von Europäern, also fremd und undurchschaubar. Inzwischen haben afrikanische Autorinnen und Autoren sich zu Wort gemeldet und begonnen, diese Außensicht zu kritisieren, besonders lebhaft am Beispiel von Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ (im Literaturklub vorgestellt im November 2017). Und es gibt weltweit gelesene und anerkannte eigene Werke von Einheimischen über das eigene Land. Am Anfang dieser selbstbewussten afrikanischen Literatur steht der Nigerianer Chinua Achebe (1930 – 2013) mit seinem Erstling „Alles zerfällt“ von 1958. Der Roman wird bis heute in enormen Auflagen gedruckt und in aller Welt gelesen und studiert.
Die Bewohner des kriegerischen und selbstbewussten Ibo-Dorfes Umuofina, im Südosten des heutigen Nigeria, leben ein von uralten Sitten und Vorstellungen bestimmtes, mitreißend vitales Leben, für uns nicht ohne befremdliche Züge. Das Auftauchen von Weißen, als englische Kolonialverwalter und christliche Missionare, führt zum Zusammenbruch der alten Ordnung und spaltet die bisherige Geschlossenheit. Der ehrgeizige Protagonist Okunkwo, der sich im Ibo-Dorf zu einem bedeutenden und geehrten Mann emporgearbeitet hat, kann sich mit den neuen Verhältnissen nicht zurechtfinden und nimmt ein schlimmes Ende.
Achebe hat die alte Welt, die hier am Ende des 18. Jahrhunderts der Fragmentierung entgegengeht, beinahe noch selbst miterlebt: Ihn, den Sohn eines britisch geschulten Katecheten, haben der Großvater und andere Verwandte als eingefleischte „Traditionalisten“ noch am Leben in der Weise der Vorfahren teilhaben lassen. Wenn jemand, dann war er prädestiniert, den Zusammenstoß der beiden Kulturen wiederzugeben.
Referent: Dr. Gerhard Vogt
Montag, 15. Juni 2026 um 19:00 Uhr
Wohnanlage „Bärle-Eck“ (Versammlungsraum im 1. OG)
Leonberger Str. 1 in Sindelfingen
Eingang: Obere Vorstadt (links von der Sparkasse)