Autorenlesung mit Joachim Zelter: Professor Lear

Zelter ist 1962 in Freiburg geboren. Er studierte nach dem Abitur an der Universität Tübingen Anglistik und Politikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Tübingen. 1993 promovierte er dort mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit in Anglistik. 1995/96 hatte er einen Lehrauftrag im Fach Germanistik an der Yale University in New Haven (Connecticut); 1996/97 lehrte er neuere englische Literatur an der Universität Tübingen.
Joachim Zelter hat eine Reihe von Romanen, Erzählungen und Essays veröffentlicht. „Seine Werke behandeln oft Themen wie zwischenmenschliche Beziehungen, Identität, Kommunikation und das Alltagsleben“, weiß ChatGPT.

Die Begrüßung des Autors gibt es hier zum Nachlesen.

Literatur und Musik

Wie jedes Jahr traf sich der Literaturklub am letzten Abend vor der Sommerpause im Stiftshof trifft, um die Vorstellung von Werken der schönen Literatur mit dem Vortrag schöner Musik zu verbinden.

Referate zum Nachlesen

Eugen Ruge: Pompeji
vorgestellt von Dr. Gerhard Vogt

Ian McEwan: Lektionen
vorgestellt von Renate Alber-Bussas

Simone de Beauvoir: Die Unzertrennlichen
vorgestellt von Brigitte Dobler-Coyle

Rainhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer
vorgestellt von Roland Häcker

Henry James: „Das Durchdrehen der Schraube“

Thema des Referats ist die bekannteste Erzählung des amerikanisch-britischen Autors Henry James, die im Original von 1898 „The turn of the screw“ heißt, in den deutschen Ausgaben „Das Durchdrehen der Schraube“ oder ähnlich. Darin erzählt eine altgediente Gouvernante von ihrem ersten beruflichen Einsatz: Als ganz junge Frau hatte sie zwei Waisenkinder auf einem südenglischen Landsitz zu betreuen. Sie berichtet von verstörenden Ereignissen: Zwei verstorbene Dienstboten der Familie zeigen sich und versuchen, verderblich auf die Kinder einzuwirken. Sie kämpft mit allen Kräften gegen die Wiedergänger an, aber das Ende ist schrecklich. Eine Geistergeschichte also – oder eine psychologische Studie über das Erleben einer überforderten jungen Frau? Die Geschichte gilt als eine der meistdiskutierten der neueren Literatur.

Christoph Hein: Trutz (Roman, 2017)

Der Schriftsteller Rainer Trutz muss aus Nazi-Deutschland in die Sowjetunion auswandern. Er begegnet im Moskau der Vorkriegszeit Professor Waldemar Gejm, der über den Ursprung und die Funktion der Erinnerung forscht. Die parteioffizielle Gedächtnissteuerung durch den sowjetischen Staat wird den beiden Männern zum Verhängnis. Stalins Schergen sind erbarmungslos.
Viele Jahre später begegnen sich ihre Söhne von Trutz und Gejm im wiedervereinigten Deutschland. Sie haben fast dieselben schlimmen Erfahrungen wie ihre Väter gemacht.

Jackie Thomae: Brüder

2019 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis

Mit den Augen und Ohren von zwei Halbbrüdern, deren senegalesischer Vater am Ende der sechziger Jahre in Ost-Berlin und Leipzig studierte, verfolgen wir zunächst die Probleme alleinerziehender Mütter, die letzten Jahre vor dem Mauerfall, die überschwänglichen Freiheitsgefühle danach und Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus.
Die beiden männlichen Hauptpersonen sind völlig unterschiedlich und somit auch ihre jeweiligen Partnerinnen und Lebensverhältnisse. Dies spiegelt sich in wechselnden Sprachstilen und Erzählhaltungen. Die Überschriften der beiden Hauptteile charakterisieren Mick als ‚Der Mitreisende‘, der zu vielerlei bereit ist, auch zum Schmuggeln von Kokain, und Gabriel als ‚Der Fremde‘, dem es schwerfällt, sich anderen Menschen zu öffnen, der aber als Architekt von interessanten Objekten in aller Welt Erfolg hat.
Zum Abschluss des Romans macht der Vater nach 47 Jahren auf sich aufmerksam und kommt von Westafrika in die Mitte Europas nach Paris, um zu sehen, was aus seinen ersten beiden Kindern geworden ist.
„Kein Rassismusbuch“ – „ein Gesellschaftsroman“, so äußert sich die Autorin Jackie Thomae, die erst 2014 ihren afrikanischen Vater kennen lernte, als sie selbst schon 42 Jahre alt war und ihren ersten Roman veröffentlichte.

Javier Marías: Mein Herz so weiß

Es war eine Art Mirakel in der Welt der Bücher: Javier Marías, ein spanischer Romancier, der mit begrenzten Auflagen zufrieden war, weil er seine Bücher nicht für massentauglich hielt, wurde nach einer deutschen Fernsehsendung plötzlich zum internationalen Starautor! Marcel Reich-Ranicki hatte 1996 den vier Jahre vorher erschienenen Roman „Mein Herz so weiß“ enthusiastisch gepriesen als „ganz großes Meisterwerk“ von „einem der größten lebenden Schriftsteller der Welt“. Von da an blieben Marías die Hochschätzung bei der Kritik und weltweiter Publikumserfolg treu – bis zu seinem Tod im September 2022.
Das Buch beginnt mit einem Knalleffekt: Kurz nach der Rückkehr von ihrer Hochzeitsreise verlässt die junge Ehefrau Teresa die Mittagstafel der großbürgerlichen Familie, geht ins Badezimmer und erschießt sich – ohne ersichtliches Motiv. Erst 40 Jahre später kommt Juan, der Sohn von Teresas Ex-Mann und Teresas jüngerer Schwester, der zum Zeitpunkt dieses Suizids noch gar nicht auf der Welt war, dem rätselhaften Ereignis auf den Grund. Das spannende Voranschreiten der Aufklärung ist verbunden mit einer Fülle von Reflexion, im Besonderen über die Frage: Wie verändert sich die Bedeutung eines vergangenen Ereignisses, wenn uns immer mehr Zeit von ihm trennt?