Lukas Bärfuss: Hagard (Roman, 2017)

Der Georg-Büchner-Preisträger von 2019 war nach der Schule Arbeiter und zeitweilig Obdachloser, aber er ist kein proletarischer Wildling: „Hohe Stilsicherheit“ bescheinigte ihm die Jury, und Provokation und Polemik sind nicht generell sein Ziel. „Hagard“ handelt von der plötzlichen Obsession eines fest in die Smartphone-Gesellschaft integrierten Immobilienmaklers, die ihn dazu bringt, einer unbekannten Frau nachzujagen, und ihn in nur zwei Tagen aus allen Sicherheiten heraus in die Katastrophe führt.

Hier gibt es das Begleitmaterial zum Herunterladen (PDF, 16 Seiten).

Referent: Dr. Gerhard Vogt

Hanns-Josef Ortheil: Die Erfindung des Lebens (Roman, 2009)

Die Geschichte eines jungen Mannes mit Handicap von seinen Kinderjahren bis zu den ersten Erfolgen als Schriftsteller. Als einziges überlebendes Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden, und auch der Sohn lebt zunächst schweigend an ihrer Seite. Erst nach Jahren kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen. Dabei spielt die Stadt Rom eine wichtige Rolle.

Hier gibt es das Begleitmaterial zum Herunterladen (PDF-Datei).

Podcast: Tea Obreht – The Tiger’s wife (Die Tigerfrau) (Roman, 2012)

Zur Einstimmung in das Thema „Literarische Texte mit Tieren“ ein Auszug aus dem Roman „The Tiger’s Wife“ (auf deutsch: „Die Tigerfrau“) von Tea Obreht aus dem Jahr 2012. Es ist ihr vielgelobter Debütroman. Die Autorin heißt eigentlich Tea Barjaktarević; sie ist 1985 in Belgrad geboren und während des Jugoslawienkriegs in die USA ausgewandert. Auf dem Totenbett musste sie ihrem Großvater versprechen, ihre Texte unter seinem Namen zu veröffentlichen (Dauer 7:22).

Anna-Katharina Hahn: Aus und davon (Roman, 2020)

Am 21. Oktober 2019 war Anna-Katharina Hahn im Literaturklub zu Gast; sie las damals aus ihrem Buch „Das Kleid meiner Mutter“, verriet aber schon einiges über das neue Werk. Das ist am 18. Mai herausgekommen: „Aus und davon“.
Ein Stuttgart-Roman ist es, wie die beiden ersten von Frau Hahn – der überwiegende Teil der Handlung spielt in der Gegend um den Ostendplatz und in Hedelfingen, die Topographie ist problemlos nachvollziehbar; auch die (für die Autorin heimatliche) Alexanderstraße, die in „Kürzere Tage“ als Hauptschauplatz noch Constantinstraße heißen musste, darf ihren Klarnamen behalten. Nur das Zeppelingymnasium, das der attraktiv-zickige Teenager Stella besucht, wird, nach einem berühmten Ehemaligen, in „Hermann-Lenz-Gymnasium“ umgetauft. Die Grundschule, in der ihr armer, adipöser Bruder Bruno gequält wird, bleibt wohlweislich ohne Namen.

Dr Gerhard Vogt, Referat (PDF, 7 Seiten)

Podcast: Juli Zeh – Corpus Delicti (Roman, 2009)

 

In Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ geht es um ein Thema, das uns heuer sehr beschäftigt, die Gesundheit. Allerdings in einem anderen Sinn als derzeit: Es geht um eine Gesundheitsdiktatur.
Dieser Podcast (aufgenommen Juni 2020) soll Ihnen einen Eindruck vom Anfang dieses Romans vermitteln. Er wäre übrigens an vielen Schulen Deutschlands besprochen worden, wenn es denn Schulunterricht gegeben hätte .

Hier gibt es das zugehörige Referat (PDF, 10 Seiten) aus dem Jahr 2013 zum Herunterladen.

Julian Barnes: Der Lärm der Zeit (Roman, 2017)

Hätte die Schwedische Akademie dieses Jahr dem Engländer Julian Barnes den Literaturnobelpreis verliehen, wäre es mit Sicherheit zu keiner Debatte darüber gekommen. Er wird seit einiger Zeit als Geheimfavorit gehandelt und gilt als Meister der Kürze und des literarischen Understatements.
Im Zentrum des Romans steht der sowjetrussische Komponist Dmitri Schostakowitsch, der bis zu seinem Tod 1975 in Ost und West umstritten war: Warum komponierte er eine Sinfonie, die den Kampf seiner Heimatstadt Leningrad gegen die deutschen Belagerer verherrlichte? Weshalb war er bereit, nach dem Zweiten Weltkrieg die sowjetische Kulturpolitik bei einer sog. Friedenskonferenz in New York zu verteidigen und den ins Exil gegangenen Strawinsky zu verunglimpfen? Wieso wurde er Mitglied der KPdSU und nicht in ein Arbeitslager gesteckt wie viele seiner künstlerisch tätigen Zeitgenossen?
In drei ausgewählten Episoden lässt uns der personale Erzähler in zugespitzter Form teilhaben an den Gewissensbissen und Grübeleien, an den widersprüchlichen Verhaltensweisen und dem insgeheim regimekritischen Gedankenstrom seiner Hauptperson: „Eine Seele konnte auf dreierlei Art zerstört werden: durch das, was andere einem Menschen antaten; durch das, was ein Mensch sich selbst antat, weil andere ihn dazu trieben; und durch das, was ein Mensch sich aus freien Stücken selbst antat“.

Hier gibt es das Begleitmaterial zum Herunterladen (PDF-Datei).